Dorfleben

Ein Film von Heiko Kraft, Claudia Krüger, Friederike Witthuhn

Montag, 11. April 2022

Buchholzer Kirche will Fahrradkiche werden

Im Idealfall wird sie nicht gebraucht, aber im Notfall ist es gut, dass es sie gibt – eine Fahrradreparaturstation.

Bernd und Renate Fabisch vom Kirchenförderverein, Bürgermeister Robert Tietze, sowie Dr. Achim Ahrend mit seiner Frau Birgit ebenfalls vom Förderverein haben die Service-Säule aufgestellt. Miriam Brümmer

BUCHHOLZ

Eine Panne ist der Albtraum eines jeden Radfahrers, beim Ausflug, beim Training und im Urlaub erst recht. Deshalb haben die Buchholzer am Freitag bei bestem Radfahrerwetter eine Fahrradreparaturstation gegenüber der Kirche aufgestellt, gut sichtbar für Pedalritter, die diesen Radwanderweg gerade in den Sommermonaten viel nutzen.

Die Idee kam durch die Partnergemeinde in Hamburg, wo Birgit Ahrendt so eine Station auf dem Kirchhof gesehen hat. Birgit Ahrendt ist die Vorsitzende des „Förderverein Dorfkirche Buchholz/Müritz“ e. V. und sagte: „Wir wollen Fahrradkirche werden und das ist der Anfang“, sagte sie. Ihr Mann Dr. Achim Ahrendt stellte gemeinsam mit Bernd Fabisch die Reparatur-Säule auf. Beide sind ebenfalls Mitglieder im Förderverein und Mitglieder der Gemeindevertretung.

Auf der Station sind über einen QR-Code Reparaturanleitungen abrufbar. Miriam Brümmer

Besinnen und Reparieren

Im dezenten Waldgrün fügt sich die Säule in die Landschaft ein und ist für Radfahrer dennoch schon von weitem zu sehen. Damit sei der erste Schritt auf dem Weg zur Fahrradkirche getan. „Eine Fahrradkirche ist eine Einkehrmöglichkeit für Radfahrer, um sich zu besinnen und eine Pause zu machen, aber auch zum Reparieren, wenn es notwendig ist“, und das sei die Idee dahinter informierte Kirchgemeinderätin Renate Fabisch, die noch dazu Mitglied im Förderverein ist. Deshalb sei der Platz auch bewusst am Radweg bei der Kirche gewählt worden.

In Deutschland gibt es ein weites Netz der Radwegkirchen, das bis in die Schweiz reicht. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es einige Vertreter. In der Seenplatte wäre die Kirche in Buchholz neben der Dorfkirche in Ankershagen die zweite Fahrradkirche. Zu erkennen sind die Netzwerkpartner an einem Signet mit grünem Hintergrund mit weißer Kirche und dem Piktogramm eines Radfahrers in schwarzer Farbe, der in Richtung Kirche fährt. Dieses Signet könnte daher auch schon bald an der Kirche Buchholz zu finden sein.

Alles nötige Werkzeug vorhanden

In der Fahrradservicestation ist alles zu finden, was im Falle eines Notfalles an Werkzeug benötigt wird. Angefangen von Reifenhebern, Kreuz- und Schlitzschraubendrehern, einem Winkel-, beziehungsweise Inbusschlüsselsatz sowie einem Torxschlüsselsatz. Auch 8er, 10er, 13er und 15er Maulschlüssel, die in keinem Reparaturset fehlen dürfen, sind dabei. Für Sondergrößen gibt es einen Rollgabelschlüssel, mancherorts auch Engländer genannt. Alle Teile sind ordentlich an ummantelten Drahtseilen gesichert. Für den nötigen Reifendruck ist eine Luftpumpe mit Universaladapter für alle gängigen Ventile installiert. Zur Erleichterung der Reparatur wird der Drahtesel am oberen Teil der Station mit dem Sattel an zwei Haltestangen – dem Griff – aufgehängt. Radler, die kein Werkzeug dabeihaben, können kleinere Reparaturen hier bequem ausführen. Flickzeug oder einen Schlauch sollte man sicherheitshalber immer mit sich führen. Anleitungen zum Schlauchwechsel, dem Einstellen der Bremsen und vieles mehr können mit dem Smartphone über einen QR-Code auf der Service-Säule aufgerufen werden. Auch Kinderwagen und Rollator können hier auf die Schnelle im kleinen Stil instand gesetzt werden. Die Kosten für die Servicestation liegen bei 1800 Euro und werden von der Gemeinde und dem „Förderverein Dorfkirche Buchholz/Müritz“ e. V. getragen.

Montag, 21 Februar 2022

Pachten am Nebelsee sollen um ein Vielfaches steigen

Für die Nutzer der etwa 40 Grundstücke sind die Bungalows und Bootshäuser am westlichen Ufer des Nebelsees Freizeitdomizil und Paradies zugleich. Doch das kann sich ändern.

 Miriam Brümmer

BUCHHOLZ

In den 1960er Jahren begannen die Pächter mit dem Bau der Bungalows, Bootshäuser und Steganlagen – mit Genehmigung des „Rates der Gemeinde Buchholz“. Zu dieser Zeit wurde auf Grundlage damaligen DDR-Rechts das Nutzungsrecht für volkseigene Grundstücke zur Bebauung auf den Antragsteller übertragen. Nach der Wende wurden die Waldgrundstücke reprivatisiert. Die meisten der Grundstücke wurden Eigentum von Buchholzer Bürgern. Die schlossen sich kurz nach der Wende zur Bewirtschaftung des Waldes in einer Waldgemeinschaft zusammen, wie Dr. Achim Ahrendt – ein Rechtsanwalt aus Hamburg – mitteilte. Er ist seit 2013 Geschäftsführer dieser Gemeinschaft und verhandelt nach eigener Aussage für alle, damit es einheitliche Konditionen gebe. Eine entsprechende Vollmacht habe er den Pächtern auf mehrfaches Bitten nicht vorgelegt.

Nun sollen nach der letzten Pachtvertragsanpassung im Jahr 2000 die Pachtbeiträge bis um das 25-Fache erhöht werden. Laut einem Bericht des NDR steigt die Gebühr für einige Nutzer beispielsweise von jährlich 47 auf 902 Euro. Laut Achim Ahrendt sind die Kosten für Dauercamper auf dem Buchholzer Campingplatz Berechnungsgrundlage. Der bietet jedoch laut Internet aktuell kein ganzjähriges Dauercamping an. Auf anderen Campingplätze in der Nähe versteht sich die Dauercampgebühr für ein Jahr inklusive Nutzung ganzjährig beheizter Sanitärgebäude mit Warmwasser und vorhandene Geräte wie Waschmaschinen.

Der vor über 30 Jahren gegründete Pächterverein hat sich Wald- und Naturschutz auf die Fahnen geschrieben. Das sei kein Campingplatz mit Infrastruktur, für den man andere Preise nehmen könne, ist Vereinsmitglied und Bootshausbesitzer Werner Dorß überzeugt. Für einige Pächter übersteige die geforderte Erhöhung die verfügbare Rente. „Die Leute haben nicht mehr“, weiß er zu berichten. Im Vergleich zum Campingplatz sind Wasser, Abwasser und die Stromversorgung in Eigeninitiative, auf eigene Kosten gebaut und genehmigt. „Warum soll man für etwas Pacht bezahlen, was man sowieso aus eigener Tasche finanziert hat? Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, dass die Nutzer ausnahmslos alles selbst geplant, gebaut und bezahlt haben.“

Waldeigentümer wollen bei Verkauf ein Vorkaufsrecht

Weitere 100 Euro im Jahr sollen für die Nutzung der Waldwege dazukommen. Für die jeweils wasserseitigen Bauten werde ein Vorkaufsrecht verlangt. Dafür zahlen die Feriendomizilbesitzer aktuell 2,58 Euro pro Quadratmeter Pacht an die Landgesellschaft MV mbh, also an das Land MV. Künftig sollen die Pächter für die von ihnen selbst gebauten Bungalows an Land den Waldeigentümern etwa das Zehnfache zahlen. Sie fürchten, dass sie nach dem Auslaufen der Verträge mit dem Land ihre Bootshäuser an die Waldeigentümer abgeben müssen.

Das Vorkaufsrecht gelte nicht, wenn die Pachtverträge mit dem Land auslaufen. Wenn Nutzer sich entscheiden, ihre Bootshäuser zu verkaufen, wollen die Waldeigentümer ein Vorkaufsrecht haben, damit sie nicht mit bis jetzt völlig unbeteiligten Dritten Nutzungsverträge machen müssten, begründet Ahrendt diesen Weg. „Während Herr Ahrendt auf der Mitgliederversammlung des Vereins noch ein Vorkaufsrecht ‚zu marktüblichen Konditionen‘ verlangte, wurde dieser Hinweis in den aktuell übermittelten Vertragsentwürfen ersatzlos gestrichen“, so Dorß

Waldwege auf eigene Kosten erhalten und gepflegt

Für die Bungalowbesitzer ist eine Kostensteigerung völlig klar, jedoch nicht in der Höhe. „Das würde für die Waldbesitzer eine Rendite von etwa 400 Prozent im Jahr bedeuten, gemessen an der verlangten Pacht und auf den Kaufpreis gespiegelt, den Herr Ahrendt vor sieben Jahren vermutlich gezahlt hat“, so Werner Dorß. Der Konflikt sei entstanden, als Achim Ahrendt einen Großteil der Waldstücke selbst gekauft habe. Der wiederum begründet die Anpassung nach dreißig Jahren damit, dass er erst mit seinem Vorsitz in der Waldgemeinschaft auf den „vertraglosen Zustand“ aufmerksam geworden sei. „Unfrieden“ wolle Ahrendt nicht. Das Forstamt habe sich eingeschaltet, fordere eine Wiederaufforstung gerodeter, umgenutzter Flächen und drohe mit Bußgeldern. So sei die Sache vor einem Jahr ins Rollen gekommen.

Nach ihm handele es sich bei dem bisher gezahlten Geld um die Gebühr für die Durchfahrt durch die Waldstücke. Tatsächlich besteht seit 2000 eine Pachtvereinbarung mit der Waldgemeinschaft, welche die Wegenutzung ausdrücklich einschließt. Dem Nordkurier liegt ein Schreiben von der Forstbetriebsgemeinschaft GbR Buchholz-Kieve, der Vorgängerin der heutigen Waldgemeinschaft Buchholz GbR vor, in dem den Pächtern die Verdoppelung der so wörtlich „Pachtsumme“ mitgeteilt wird: „Mit Entrichtung der Pachtsumme gewähren wir Ihnen weiterhin die Durchfahrt auf dem kürzesten Wege … Für das folgende Jahr (2001) ist eine weitere Erhöhung der Pachtsumme vorgesehen.“ Seit diesem Schreiben war für die Vereinsmitglieder geregelt, dass die Pacht für die Bungalowflächen die erforderliche Wegenutzung umfasst. „Die Waldwege wurden in den letzten 30 Jahren nur von den Vereinsmitgliedern auf eigene Kosten erhalten und gepflegt. Vereinsmitglieder haben zu keinem Zeitpunkt bestehende Waldflächen ‚gerodet‘. Unter Bestandsschutz stehende Carports im Wald wurden auf Eigeninitiative zurückgebaut. Das ist bei der Bauaufsicht aktenkundig“, sagte Werner Dorß.

„30 Jahre lang war es immer einvernehmlich“

Für die Pächter ist das unverständlich und wirkt für sie willkürlich. Immerhin habe der Verein nach den Fällaktionen der Waldgemeinschaft im Jahr 2014 über 600 Bäume in Absprache mit den Eigentümern gepflanzt. Setzlinge habe man meist von den Eigentümern bekommen. „30 Jahre war es immer einvernehmlich“, sagte Werner Dorß. Der Verein prüft mögliche Strafanzeigen, da konkrete Anhaltspunkte für etwaige Straftaten seitens einzelner Vertreter der Waldgemeinschaft bestehen. Ohne Einigung hätten die Gerichte über die Räumung der Grundstücke statt über Pachthöhe zu entscheiden. „Das würde ich gerne vermeiden“, so Achim Ahrendt.

Dienstag, 8. März 202

Pacht-Streit geschlichtet – Wieder Ruhe am Nebelsee

Forderungen, Missverständnisse und Emotionen zwischen Pächtern und Waldbesitzern haben die Kommunikation erschwert. Doch nun gab es eine Einigung.

 Miriam Brümmer

Nun strahlt der Himmel über dem Nebelsee. Der Bundestagsabgeordnete Johannes Arlt (SPD), die Rechtsanwälte Dr. Achim Ahrendt und Werner Dorß sowie die Landtagsabgeordnete Nadine Julitz (SPD) saßen an einem Tisch, um eine geeignete Lösung zu finden.

BUCHHOLZ

Die Fronten seien verhärtet gewesen, dabei hätten beide Seiten durchaus ähnliche Vorstellungen gehabt, hieß es von den Vermittlern, die in diesem Fall der Bundestagsabgeordnete Johannes Arlt (SPD) und die Landtagsabgeordnete Nadine Julitz (SPD) gewesen waren. Beide waren auf den Streit zwischen Waldbesitzern und Pächtern, die zu Zeiten der DDR am Nebelsee in der Nähe von Buchholz ihre Feriendomizile errichtet hatten, aufmerksam geworden.

Vorkaufsrecht sollte auch geregelt werden

Die Politiker hatten sich am Freitag mit Vertretern beider Seiten an einen Tisch gesetzt. Dabei ging es im Wesentlichen darum, die Interessen der Waldbesitzer und der Pächter anzugleichen und das Vorkaufsrecht zu regeln. Außerdem hatte ein Hotelbesitzer, dessen Haus direkt am See liegt, Sorge, ob er auch weiterhin mit seinen Gästen Wanderungen um den See durchführen kann.

Alle drei Punkte konnten nach Aussage von Johannes Arlt gelöst werden: „Wir haben eine langfristige Lösung gefunden“, um die Anlage auf eine sichere Grundlage zu stellen. Dazu seien allerdings noch einige Arbeiten notwendig, die kurzfristig gemeinschaftlich abgearbeitet werden sollen. Die Grundstücke werden vermessen, um bis zum 30. Juni dieses Jahres einen unterschriftenreifen Vertrag vorzulegen, der rückwirkend zum 1. Januar in Kraft treten soll. In der Vereinbarung soll es auch eine Möglichkeit geben, mit der „einzelne soziale Härten“ ausgeglichen werden, damit alle derzeitigen Pächter, unabhängig von ihrer finanziellen Situation, dort bis an ihr Lebensende bleiben können, informierte Johannes Arlt.

Interessen beider Seiten bedacht

In einem Zeitraum von fünf Jahren werde in einem Stufenmodell die Pacht angehoben – beginnend mit dem Angebot der Pächtergemeinschaft, abschließend mit dem Angebot der Waldgemeinschaft, teilte Dr. Achim Ahrendt im Anschluss des Treffens als Vertreter der Waldgemeinschaft dem Nordkurier mit. Ab dem sechsten Jahr wäre eine Steigerung um sechs Prozent pro Jahr möglich. Das Vorkaufsrecht wird zu den üblichen Konditionen dem jeweiligen Grundstückseigentümer eingeräumt, wenn ein Wechsel ansteht, um das Grundstück dann in einer Hand zu haben, „weil es Grundstücke gibt, da geht die Grenze durchs Haus“, aus diesem Grunde verhalte es sich bei der Steggemeinschaft, jedoch ohne Bauten an Land, in der Nachtbarbucht genauso, erläuterte Werner Dorß. Er vertritt die Interessen der Pächter. Außerdem konnte ein Einverständnis erzielt werden, dass Wandergruppen des Hotels den Weg zu Fuß weiterhin kostenlos nutzen können.

„Mithilfe der Abgeordneten haben wir, denke ich, eine faire Lösung gefunden, die beiden Seiten hilft“, sagte Werner Dorß abschließend. „Ich glaube, wir haben jetzt einen Weg gefunden, wie wir uns annähern können“, sagte Dr. Achim Ahrendt erfreut. Es sei eine langfristige Lösung für die Bootshäuser und die Bungalows gefunden worden, die eben nicht nur die Interessen der Nutzer, sondern auch die der Waldbesitzer berücksichtige. Er hoffe, dass „für die nächsten 15 Jahre eine sehr einvernehmliche und gute Lösung gefunden“ worden sei.

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